Initiator Sebastian Schauer im Gespräch mit FDP-Politikern und Touristikern

Zwiesel. Bedenken aus dem Weg räumen und die Vorteile für die Region darstellen: Das war das Ziel eines Gesprächs, das Sebasti­an Schauer, der Initiator des ge­planten Burghotels mit Erlebnis­park am Kellerberg, mit Vertre­tern aus Politik und Tourismus führte.

Trafen sich zu einem Gespräch (v.l.): MdL Alexander Muthmann, Daniela Hausteiner von der IHK-Tourismus-Abteilung, Burghotel-Initiator Sebastian Schauer, MdB Nicole Bauer und Kreisrätin Josefa Schmid.

„Es ist wichtig, für junge Leute und erfahrene Menschen glei­chermaßen attraktive Arbeitsplät­ze zu schaffen. Durch unser Pro­jekt sehe ich großes Potenzial, auch für Kunsthandwerker und Zulieferer“, sagte Schauer bei der Vorstellung seines Konzepts für einen Natur,- Lehr- und Erlebnis­park in Form eines mittelalterli­chen Handwerksdorfes, kombi­niert mit einer neu gebauten Burg­anlage.

Indem mittelalterlichen Natur-, Lehr-, und Erlebnispark möchte der Unternehmer gestressten Zeit­genossen Entschleunigung bie­ten. Natur, Einfachheit, Gesund­heit, Geborgenheit und Nachhal­tigkeit seien die zentralen Schlag­worte. Massentourismus in Kom­bination mit oberflächlichem Konsum lehne er ab, so Schauer.

Das geplante Mittelalter-Hand­werksdorf mit dem Namen „Merzenried“ sei im direkten Umfeld der Burg geplant. Beim Bau sollen möglichst naturbelassene Mate­rialien verwendet werden. Eine Schlüsselrolle sollen selbstständi­ge Händler und Handwerker spie­len, etwa Schäfer, Bogner, Schmiede, Glasbläser, Korbflech­ter, Gerber, Imker, Töpfer oder Weber. Sie sollen ihre Kunstfertig­keit zeigen und auch Workshops anbieten. „Es sind bereits Interes­senten aus den Landkreisen Re­gen und Cham auf mich zugekom­men“, sagte Schauer.

Das Handwerkerdorf solle ei­nen nachhaltigen Wirtschafts­kreislauf bieten. Im Mittelalter sei nichts weggeworfen worden, was verwertbar war. Diese alten Struk­turen, zum Beispiel zwischen dem Treber aus der Brauerei und dem Bäcker, der daraus Brot backt, er­führen gerade eine stark beachtete Wiederbelebung. Bei der Authen­tizität des Handwerksdorfs stehe die Freude am Erleben im Vorder­grund, erläuterte Schauer.

Ein weiterer zentraler Punkt der Anlage seien die Lehr- und

Themenpfade  (Agrarlehrpfad, Handelspfad, Industrielehrpfad), die zum Handwerksdorf führen. Entlang der Wege sollen verschie­dene kleine Gebäude Aspekte der Geschichte der Region Zwiesel sowie widerspiegeln. Der Zugang zum Park sowie zum Handwerks­dorf soll für alle Besucher kosten­los sein. „Entschleunigungstourismus und das Thema Mittelalter passen gut zusammen“, so das Fa­zit von Sebastian Schauer. Die Zielgruppe achte auf nachhaltige, umweltfreundliche und sozialver­trägliche Produkte und passe des­wegen sehr gut zum Bayerischen Wald.

Die Landshuter Bundestagsab­geordnete Nicole Bauer (FDP) sagte, das Konzept erinnere sie sehr an Bauernhofmuseen, die ebenfalls mittlerweile Workshops anbieten und so zusätzliche Ein­nahmequellen erschließen. „Das ist ein hoch interessanter Kon­zeptansatz, der möglicherweise in der Öffentlichkeit noch falsch ver­standen wird“, meinte die Bun­destagsabgeordnete.

„Ein Projekt von jungen Men­schen, das durchaus jung und in­novativ für das touristische Image des Bayerischen Waldes wirken könnte. Jedoch stehen noch viele Aufgaben zu lösen an. Dabei bin ich aber gerne behilflich“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Alexander Muthmann.

Sebastian Schauer zitierte aus einer Tourismus-Analyse, die die Stadt Zwiesel im Oktober 2016 bei der Beraterfirma BBE erstel­len habe lassen: „Neben allgemei­ner Erlebnisorientierung spielt zunehmend die Sehnsucht nach Echtheit des Angebots eine wich­tige Rolle. Die Sinngesellschaft sucht verstärkt im Urlaub nach Werten wie Selbsterfahrung, Engagement, Freundschaft und Nachhaltigkeit. Austauschbare Angebote von der Stange haben im Verdrängungswettbewerb kei­ne Chance“. Zudem fehlten in Zwiesel laut dieser Studie größere touristische Leitbetriebe.

Heinz Peter Schwendinger, Ge­schäftsführer der FNBW, kann sich die Burg als einen solchen Leitbetrieb vorstellen. Er interes­sierte sich bei dem Gespräch ins­besondere für das spätere Betreiberkonzept. Walter Kirchberger, Hotelbetriebswirt aus Schauers Team, führte dazu aus, dass eine Ausschreibung für Betreiber ge­plant sei, wenn eine Genehmi­gung für den Bau zu erwarten sei. „Wir sehen gute Chancen, mit dem eigenen Team eine Betreiber­gesellschaft für dieses Objekt gründen zu können, aber auch die ‘Treugast’ aus München hat be­reits Interesse an einem Manage­ment erklärt“, ergänzte Schauer. Insgesamt zeigte sich Schwendinger von der Konzeption angetan. „Das Vorhaben hätte Potenzial für eine kräftige Aufwertung des regionalen Angebots“, sagte er.

Wirtschaftlich stellte Schauer besonders das Regionalprinzip der Anlage in den Vordergrund. Nach seinen Worten würde man für rund eine Million Euro jähr­lich Waren aus der Region, von Bauern, Metzgern, Bäckern oder Fischzüchtern beziehen.

Im Dialog mit den Anwesenden war Schauer daran gelegen, die bestehenden Kritikpunkte und Bedenken der Öffentlichkeit auf­zugreifen und gemeinsam Lö­sungsmöglichkeiten zu erörtern. Schauer listete den Abgeordneten sämtliche geäußerten Einwände auf und schilderte die bisherigen Lösungsideen.

Das Thema, das die Bevölke­rung, insbesondere die Anwoh­ner, besonders beschäftigt, ist – wie mehrfach berichtet – die Ver­kehrssituation. Hierzu will Schauer nach eigener Aussage den Entwurf zu einer möglichen Nordtrasse von Fachstellen prü­fen lassen. Wichtig sei zudem eine Anbindung an das öffentliche Ver­kehrsnetz. Neben dem Stadtbus könne man hier auch den Rufbus nutzen, so Schauer. Dem stimmte Josefa Schmid, FDP-Bürgermeis­terin von Kollnburg und Kreisrä­tin, zu. „Es könnte so sicher eine lukrative zusätzliche Haltestelle entstehen.“ Für die Zeiten, die nicht von öffentlichen Verkehrs­mitteln abgedeckt werden, schwebt Schauer der Einsatz ei­nes kleinen Elektrobusses vor.

Insgesamt verglich der Initiator das Projekt mit dem Haus zur Wildnis, dem Nationalparkzent-rum in Ludwigsthal. „Die Gäste­zahlen sind vergleichbar, ebenso die Zielgruppen“, ist sich Schauer sicher. Das „Haus zur Wildnis“ habe obendrein eine vergleichba­re Parkplatzsituation. Josefa Schmid ergänzte, dass man auch nicht unmittelbar am Haus zur Wildnis parken könne, was der Begeisterung der Gäste aber kei­nen Abbruch tue. „Bis zu 100 Ar­beitsplätze könnten bei diesem Projekt entstehen, das wäre in je­dem Fall eine Bereicherung, vor allem wenn dabei auch die junge Generation zum ‘dahoam bleiben’ oder zum ‘hoam kemma’ animiert werden könnte“, so Schmid.

Nicole Bauer und Alexander Muthmann regten an, dass es si­cher auch von Vorteil wäre, mit den Verantwortlichen in einer Ex­kursion zu einem der gezeigten Vorbildprojekte zu fahren. „So kann man die Konzeptideen auch direkt sehen und die Auswirkun­gen auf die Region besser nach­vollziehen“, meinte Nicole Bauer. Das Fazit der Bundestagsabge­ordneten: „Ich finde dieses Pro­jekt insgesamt sehr unterstützenswert. Es sind neue Ansätze, die ei­ne Region nur positiv aufwerten können.“

(Quelle: Bayerwaldbote, 04.01.2018)