v.l.: Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer, FDP-Parteivorsitzender Christian Lindner, Landtagskandidatin Josefa Schmid, FDP Bayern – Generalsekretär Norbert Hoffmann.

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen

 

Bevor es am Freitagnachmittag so richtig losging mit der großen Landshuter FDP-Show in den Bernlochnersälen, verteilte Stargast Christian Lindner erstmal Streicheleinheiten. An Brandy, 16 Wochen alt, Hund der Veldener Bundestagsabgeordneten Nicole Bauer. Womit schon mal ein Bild haften blieb: So gut wie dem verzückten Welpen, der da gerade von Lindner durchgekrault wurde, soll es unter tatkräftiger Unterstützung der FDP bald auch wieder der gesellschaftlichen Mitte gehen. Oder, um es in den Worten des Bundesvorsitzenden zu sagen: „Die Mitte muss bedient werden.“Ihren Anspruch, die Interessen breiter Bevölkerungsschichten wahrzunehmen, untermauerten die Liberalen in Landshut mit blendend gelauntem Selbstbewusstsein.

 

Dieses kontrastierte derart schillernd mit dem desaströsen Ergebnis der vergangenen Landtagswahl und aktuellen Umfragewerten zwischen fünf und sechs Prozent, dass Lindner sich vor seinen 300 Zuhörern glatt zu folgender Bemerkung hinreißen ließ: „Wir gehen mit einer gewissen Demut in diese Wahl.“ Um postwendend hinterherzuschicken: „Aber auch selbstbewusst – wir sind bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen.“ Aufatmen im Publikum, das von Linder in Folge nicht nur mit Insiderwissen zu den von ihm beendeten Jamaika-Verhandlungen nach der Bundestagswahl versorgt wurde („Uns wurden Lorbeerkränze der Dankbarkeit aus der CSU überreicht“), sondern auch mit Scherzen wie diesem: „Früher trugen die Grünen die Kröten über die Straße, heute tragen sie die Kröten in die Bank.“Abgesehen davon zählten für die FDP „Inhalte und unser politischer Kompass“, so Lindner. Dieser richte sich am „gesunden Menschenverstand“ aus. Heißt: kein überregulierter Klima-Nationalismus samt „ideologischem Krieg gegen die eigene Industrie“ (Stichwort Verbrennungsmotor); Stärkung des ländlichen Raumes, auch um die Zentren zu entlasten; konsequenter Breitbandausbau (zu dessen Finanzierung man die staatlichen Telekom-Anteile verkaufen sollte); Abschaffung des Solidaritätszuschlags nach Abfinanzierung des Aufbaus Ost am 31. Dezember 2019 (falls nicht, werde die FDP umgehend Klage 

beim Verfassungsgericht einreichen).

 

FDP Bayern – Generalsekretär Norbert Hoffmann

Auf Bayern bezogen richtete der 37-jährige Spitzenkandidat Martin Hagen die liberale Agenda an den drei Begriffen Talent, Technologie und Toleranz aus. „Das sind die wichtigsten Rohstoffe Bayerns“, sagte Hagen, der in der FDP nicht nur die „Kraft der Vernunft“ sieht, sondern auch den „Motor des Fortschritts“. Letzterer sei unter den Christsozialen vor allem deshalb ins Stocken geraten, „weil die Staatsregierung ihre Bevölkerung immer noch für hinterwäldlerisch hält, obwohl sie längst fortschrittlicher denkt als die CSU“.In die gleiche Kerbe schlug der lokale Direktkandidat Norbert Hoffmann, Landshuter Stadtrat und als Generalsekretär der Bayern-FDP Gastgeber der Veranstaltung, indem er auf eine am selben Tag stattfindende CSU-Veranstaltung in Weihmichl verwies: „Während dort mit Edmund Stoiber das letzte Aufgebot ins Rennen geschickt und der Vergangenheit nachgetrauert wird, kümmern wir uns um die Zukunft des Landes.“ Ein Seitenhieb auf „Bavaria One“, Söders jüngst vorgestelltes und breit bespötteltes bayerisches Raumfahrtprogramm, durfte da nicht fehlen. „Ich habe nichts dagegen, groß zu denken“, sagte Hoffmann, „aber vielleicht wäre es sinnvoll, den ersten Schritt vor dem dritten zu machen“.

 

Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen sollte man sich für schnelles Internet und eine flächendeckende Mobilfunkversorgung ebenso starkmachen wie für medizinische Versorgung auf dem Land, mehr Bildungsgerechtigkeit und einen Rechtsan

spruch auf einen Ganztagesschulplatz.Wobei die Forderung nach einer Ganztagsbetreuung für Kinder, auch in Form von mehr Kindertagesstätten, keinesfalls als Ausdruck einer gesellschaftspolitischen Position verstanden werden dürfe, wie Christian Lindner in Folge betonte. Wer seine Kinder selbst betreuen wolle, solle dies selbstverständlich tun. „Für uns ist der Staat nicht Zensor des privaten Lebensentwurfs.“

 

(Quelle: Landshuter Zeitung, 08.10.2018)