Grüne Woche, Berlin. Start Ups in der Landwirtschaft, was in Deutschland schon geht und was besser werden muss diskutierten gestern Politiker und Vertreter aus der Wirtschaft im Rahmen der FDP Veranstaltung XO Future auf der Grünen Woche in Berlin. Fazit: Wunsch und Wirklichkeit gehen noch weit auseinander.

Ein Thema bei der XO Future Veranstaltung der FDP auf der Grünen Woche in Berlin gestern waren Start Ups in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich. Bei der Podiumsdiskussion stellten junge Gründerinnen ihre Unternehmenskonzepte vor. Sie nannten auch die Herausforderungen, die sie am Anfang hatten. Außerdem sprachen die Teilnehmer über die Rolle der Politik bei dem Start in die eigene Firma.

Neue Wege der Finanzierung in der Zukunft

In Deutschland gibt es laut Nicole Bauer von der FDP nur 5,4 % Unternehmensgründer. Das ist Bauer zufolge gerade mal ein Viertel von dem Anteil in den USA oder Kanada. Sie befürchtet in Zukunft Probleme für den deutschen Mittelstand. Hier sieht sie auch die Politik in der Verantwortung: „Wir brauchen einen besseren Zugang zum Kapital. Bankkredite werden nicht mehr die hohe Bedeutung der Zukunft sein. Weitere Wege sind Crowdfunding oder Venture Capital“, prognostizierte sie.

Crowdfunding bedeutet, dass mehrere Privatpersonen einem Unternehmer Kapital zur Verfügung stellen. Meist findet der Unternehmer die Geldgeber im Internet. Beim Venture Capital hingegen finanziert nur ein Investor in das neue Unternehmen. Venture-Capital birgt also das Risiko, alles zu verlieren, aber auch die Chance, ein Vielfaches seiner Investition bei einem Verkauf des Unternehmens zurück zu erhalten.

Die Probleme, Kapital zu erhalten, kann auch Verena Hubertz, selber Gründerin eines Unternehmens, bestätigen. „Als wir unsere Firma damals aufbauten, hatten wir Probleme, an das Startkapital zu kommen. Zum Glück unterstützten unsere Familien uns. Es wäre daher toll, wenn junge Unternehmer einfacher an Startkapital kommen könnten“, sagte sie. Ebenfalls glaubt sie, dass die Schulbildung dazu beiträgt, dass es so wenig Unternehmensgründungen in Deutschland gibt. Junge Menschen hätten ihrer Meinung nach oft gar keinen Bezug zum Unternehmertum. „Wir müssen diesen Beruf den Kindern in der Schule schon spielerisch nahebringen“, schlägt sie vor.

Verena Hubertz ist die Gründerin von Kitchen Stories, einer App, in der Kochrezepte Schritt für Schritt im Video gekocht und erklärt werden. Millionen Nutzer haben die App schon heruntergeladen. Mittlerweile ist der Küchengerätehersteller Bosch mit in das Unternehmen eingestiegen.

Probleme bei Zusammenführung von Start Ups und großen Firmen

Rolf Lange von Edeka sieht die größte Herausforderung darin, Start ups mit großen Unternehmen zusammenzubringen. „Oft herrschen hier Lücken von dem, was das Unternehmen verlangt und was das Start up hergibt“, glaubt er. Als Beispiel nannte er bei dem möglichen Problem, wenn die Ware zurückgerufen wird aufgrund eines Mangels. Hier muss das Start Up dann für die Kosten aufkommen können. Speziell im Lebensmittelbereich sieht Sarah Dhem hier ein anderes Problem. Die Fleischprodukte ihres Unternehmens lagen zwischen den anderen Angeboten im Supermarkt. Dort haben die Kunden sie kaum wahrgenommen. „Daher sind wir mit unseren Fleischwaren in den Onlinebereich eingestiegen“, erklärte sie.

Sarah Dhem hat die Marke Kalieber gegründet. Das sind Fleischprodukte von Schweinen und Rindern alter Rassen, z. B. Buntes Bentheimer Schwein, oder von Tieren aus besonders artgerechter Haltung. Sarah Dhem lässt die Tiere schlachten und verarbeitet sie dann in ihrem Unternehmen weiter. Das Fleisch verkauft sie über den eigenen Hofladen und via Internet.

 

(Quelle: topagrar, Maike Schulze Harling, 23.01.2019)