„KKI im Dialog“: Diskussion zu Versorgung, KKI-Rückbau und Erneuerbare Energien

Landkreis. Eine lebhafte Podiumsdiskussion prägte am Mittwochabend die Informationsveranstaltung „KKI im Dialog“ im Kernkraftwerk Isar 1. Zum Thema „Sichere Stromversorgung und verantwortungsbewusster Rückbau der Kernkraftwerke in Zeiten der Energiewende“, gewannen Veranstalter PreussenElektra in Kooperation mit Isar-TV namhafte Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die sich in der Diskussion einem Schlagabtausch lieferten.
Moderatorin Christiane Allinger von Isar-TV eröffnete die Runde mit einem Blick auf den noch schier frisch gedruckten rund 60 seitigen Koalitionsvertrag der neuen Bayerischen Staatsregierung, in dem zum Thema Kernenenergie kaum etwas zu finden ist. Dass das Thema trotzdem in der Landes- und Bundespolitik Gehör finden wird, darüber waren sich die Podiumsgäste Landrat Peter Dreier, die Bundestagsabgeordneten Nicole Bauer (FDP) und Florian Oßner (CSU), der Vorsitzende der Geschäftsführung (CEO) von PreussenElektra, Dr. Guido Knott und der Bürgermeister der Gemeinde Niederaichbach und zugleich Vorsitzender der ASKETA, Josef Klaus einig.Dass im Koalitionsvertrag ein so wichtiges Thema nicht gebührend aufgegriffen wurde, erklärte sich Dreier dadurch, dass zwischen den Regierungsparteien noch kein Konsens gefunden werden konnte. Beispielhaft sei dabei die Frage nach der Verlegung von Stromtrassen. „Wir brauchen eine sichere und zuverlässige Stromversorgung“, betonte Dreier, daher sei es ein Unding, gegebene Möglichkeiten zur umwelt- und bodenschonenden Verlegung außer Acht zu lassen.Ein spannendes Thema bleibe auch die Installation einer sogenannten „heißen Zelle“ am Kernkraftwerksstandort Isar in Nieder-aichbach. „Es geht hier nicht um Hackschnitzel, sondern um Atommüll“, stellte Dreier fest. Er gab zu verstehen, dass das Thema der Zwischenlagerung von Atommüll am Standort und die drohende Klassifizierung von Bella zu einem de facto Endlager auch die Bevölkerung umtreibe. Schließlich gehe es dabei auch um die nachfolgenden Generationen. „Entscheidungen dürfen deswegen nicht aus politischen Erwägungen getroffen werden, wie das 2013 der Fall war“, plädierte Dreier. Damit sprach der Landrat die Suche nach einem geeigneten Standort für ein Endlager sowie die derzeitige Verteilung von Castorbehältern an die weiteren Zwischenlager-Standorte an. Der Standort Gorleben sei trotz vorhandener Infrastruktur und optimalen Voraussetzungen aus dem Raster gefallen.
„Druck auf Gorleben muss erhalten bleiben“

In dasselbe Horn stieß Josef Klaus, der ebenfalls die Gorleben-Entscheidung für falsch hält. „Bella ist seit 2007 in Betrieb, damals wurde zugesichert, dass dort lediglich der eigene Atommüll aus Isar 1 und 2 aufbewahrt werden soll“, erklärte Klaus. Die Richtungsänderung durch diese politische Entscheidung habe Schaden am Vertrauen in eine beständige Politik genommen. „Es ist wichtig, dass man sich auf das verlassen kann, was mal ausgemacht war.“ Die Hintergründe, warum man nicht wie ursprünglich geplant auf Gorleben für die Zwischeneinlagerung des Atommülls zurückgreife, sei eben nun mal politischer Natur gewesen, gab CSU-Bundestagsabgeordneter Florian Oßner den Zuhörern zu verstehen. Dabei gab er zu bedenken, dass im Rahmen dieses Atomkompromisses sich nach demokratischem Prinzip eine große Mehrheit ausgesprochen habe. Dennoch pflichtete Oßner bei, dass der Druck auf Gorleben trotz politisch sanktionierter Veränderungssperre erhalten bleiben müsse. Auch die „Energiewende“ sei durch einen demokratischen Entscheidungsprozess hervorgerufen worden, mit all seinen Herausforderungen, die es auf landes- wie bundespolitischer Ebene zu bewältigen gelte. FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer, stellvertretendes Mitglied im Energie und Wirtschaftsausschuss, hakte zum Thema Energiewende ein. Der Unglücksfall in Fukushima habe die Energiewende ausgelöst und führte zu einem „überhasteten“ Ausstieg aus der Kernenergie. Zwar habe damals sich auch die FDP für einen Atomausstieg stark gemacht, allerdings nicht mit dem Ziel, dabei nur Aspekte von Nachhaltigkeit zu verfolgen. Fragen zur sicheren Versorgung und Wirtschaftlichkeit blieben auf der Strecke. „Wenn wir nicht schnell eine Organisationsstruktur in der Energiewende schaffen, werden wir diese nicht ohne Hilfe aus dem Ausland schaffen und wird dem Bürger viel kosten“, meinte Bauer. Zu stemmen sei der Bedarf an Energie durch einen „Mix“ aus Sonne, Wind, Wasser und Gas.
Ein Plädoyer für die Atomenergie

Zu diesem „Energiemix“ den Bauer ansprach ergänzte Knott die Sparte der Atomenergie, die während des trockenen und heißen Sommers die „Flaute“ seitens der Windkraftenergie auffangen musste. „Weltweit gesehen, ist die Atomenergie alles andere als ein Auslaufmodell“, erläuterte Knott. Am Kernausstieg in Deutschland sei aber deswegen nach wie vor nichts zu rütteln. Die Entscheidung, die der politische Wille schlussendlich begründete, wäre irreversibel, so der CEO von PreussenElektra. Jetzt müsse man Forschung betreiben, um die Energiewende voranzubringen. Als zentralen Punkt für die Versorgungssicherheit nannte Knott die Entwicklung geeigneter und leistungsfähiger Speicher. Nach seiner Einschätzung werde langfristig die Energiegewinnung durch die Sonne sich im Gegensatz zur Windenergie durchsetzen.

(Quelle: Landshuter Zeitung, 17.11.2018)