Landkreis. Wolfgang Kubicki braucht kein Rednerpult, keine Aufzeichnungen. Nur ein Mikrofon und die Bühne. Fast eine Stunde lang erzählt der Bundestagsvizepräsident einfach – pointiert, nachdenklich, beherzt.  Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer überließ dem stellvertretenden Vorsitzenden der Freien Demokraten die Festrede. Aber auch die anderen Ehrengäste knauserten zum 70. Geburtstag der FDP Landshut Stadt und Land nicht mir warmen Worten und klaren Ansagen.
Von den Gründungstagen des Kreisverbandes nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum „Wunder von Landshut“, wie Ergoldings FDP-Ortsvorsitzender Michael Deller den Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz nannte, war es ein weiter Weg. Trotzdem sei der Erfolg von Putz kein reines Wunder, sondern vielmehr der Konsequenz der FDP geschuldet, fand Landesvorsitzender Daniel Föst.
Probleme beseitigen statt Angst schüren.
Nachdem die Liberalen bei der Bundestagswahl 2013 „in den Bildungsurlaub geschickt“ worden waren (O-Ton Nicole Bauer), galt es, die Scherben zusammenzukehren und zu kleben, was übrig war. Föst richtete dabei seinen Blick auf die Kommunalpolitik: Dort werde an Ideen gearbeitet und nicht die Parteifarbe über alles andere gestellt. So müsse man auch auf bundespolitischer Ebene arbeiten, wenn man „verteidigen will, was andere für uns errungen haben“.
Eine dieser Errungenschaften ist für Wolfgang Kubicki die Meinungsfreiheit – und die sieht er nach 30 Jahren in verschiedenen Parlamenten und 50 Jahren bei der FDP zunehmend gefährdet. Dabei helfe es nichts, den Bürgern Angst zu machen. Stattdessen müsse man die Probleme beseitigen: Die digitale Infrastruktur etwa sei schnellstmöglich auszubauen, um den Unternehmen den Zugang zu Kunden und Lieferanten zu ermöglichen – gerade in ländlichen Regionen.Zudem brauche es ein Umdenken in der Gesellschaft: Der Wert eines Menschen habe nichts mit seinem Abschluss zu tun, Abitur allein reiche nicht. Stattdessen müsse man das Handwerk und kleine Familienbetriebe fördern. Wenn es nach dem FDP-Politiker geht, würden Handwerker, Unternehmer und Selbstständige nämlich genauso gefeiert wie erfolgreiche Sportler.
Kubickis erklärtes Ziel: Seinen Enkelkindern eine genau so glückliche Kindheit bescheren, wie er sie hatte. Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit gehören deshalb zu den Grundvoraussetzungen, genau wie das Auseinandersetzen mit aktuellen Problemen. Was Kubicki persönlich gegen den Klimawandel tue, sei er von einer Moderatorin einmal gefragt worden. „Ich rege mich nicht mehr auf“, meinte Kubicki trocken – in Ruhe produziere der Körper schließlich weniger CO2. Was er damit sagen will: Hadern und schimpfen allein bringe nichts. „Das geht nur durch Technik und Fortschritt“, gibt Kubicki die Richtung vor. Wie dieser Weg für die Freien Demokraten aussieht, weiß Alexander Putz: „Wir müssen die Stimme der Vernunft bleiben und den Raum in der Mitte füllen.“
(Quelle: Landshuter Zeitung, 28.10.2019 – von Florian Pichlmaier)