v.l.. Albert Duin, ehemaliger Landesvorsitzender, Karl Hauser, MdB Nicole Bauer und Unternehmer Günther Karl.

„Liberaler Kreis Deggendorf“ beginnt neue Talk-Reihe – Günther Karl diskutiert mit FDP-Politikern über seinen Fonds für Quereinsteiger

Deggendorf/Offenberg. Premiere auf Schloss Offenberg: Im edlen Rittersaal diskutierten Bauunternehmer Günther
Karl, die FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer und der Fabrikant und FDP-Landtagskandidat Albert Duin am
Mittwochabend unter der Moderation von Karl Hauser, Sprecher des frisch gegründeten „Liberalen Kreises
Deggendorf“, vor rund siebzig Gästen über die Frage, wie man in Deutschland Regierung und Parlament mit mehr
wirtschaftlichem Know-How ausstatten könne.

Anknüpfungspunkt war die kürzliche Stiftungsinitiative von Günther Karl, eine Million Euro für besonders gut
qualifizierte politische Quereinsteiger bereitzustellen, die er in einem Gespräch mit der PNP angekündigt hatte.
Die Diskussion startete auf der Grundlage schlichter Statistik. Von den 709 Bundestagsabgeordneten seien 25
Prozent Berufspolitiker, 16 Prozent Juristen, 20 Prozent Ärzte und Lehrer, 9 Prozent Handwerker und 2 Prozent
Landwirte, so Moderator Hauser. „Der Mittelstand hier im Saal ist so gut wie nicht im Bundestag vertreten.“ Das sei die
„grausame Situation momentan“. Der Befund auf dem Podium nach den Eingangsstatements der Talk-Gäste lässt sich
plakativ so zusammenfassen: In Regierungs- und Parlamentsgremien gibt es zu wenig Unternehmer, zu wenig
Sachverstand, zu wenig Frauen und zu wenig zupackende Entscheidungsfreude. Vorherrschen würden Inkompetenz
und Zaghaftigkeit.

„Wir werden von Laien regiert, die von wirtschaftlichen Zusammenhängen keine Ahnung haben“, konstatierte Albert
Duin, der in München, Ungarn und Indonesien Transformatoren entwickelt und baut. Ihm sei irgendwann die
Hutschnur geplatzt. Von Unternehmern erwarte er, dass sie stärker in die Politik gehen. Welche Partei, sei ihm
eigentlich egal. „Dann treffen sich im Parlament nämlich lauter vernünftige Leute“, so seine Erwartung. Es müsse
Schluss sein mit „Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal“ in heutigen Politikerkarrieren.

„Jetzt sehe ich, wie Europa kaputtgemacht wird und wie die Frau Merkel die Bundesrepublik kaputt macht“, meinte
Günther Karl. Da würde er als Vollblutunternehmer explodieren. Vor diesem Hintergrund sei er initiativ geworden.
„Was kann man tun?“, das treibe ihn um. Frau Merkel habe es geschafft, alle fähigen politischen Köpfe wegzuschaffen.
Heute gehe es darum, sich die Frage zu stellen, wie man Leute mit einem logischen und praktischen Menschenverstand
in die Politik bringen könne, die den Finger in die Wunde legen und sagen: „So geht es nicht weiter“. FDP-Chef
Christian Lindner zolle er in diesem Zusammenhang großen Respekt. Er forderte die politischen Parteien auf, sich
wirkliche Manager aus der Wirtschaft zu holen.

Diplom-Wirtschaftsingenieurin Nicole Bauer, die seit 2017 im Bundestag sitzt, bezeichnete Moderator Hauser als
„eine multitalentierte Powerfrau, die man dringend in der Politik brauche“. Die 31-Jährige ist die jüngste bayerische
und niederbayerische Abgeordnete im Bundesparlament. Sie war beruflich bereits acht Jahre bei verschiedenen
Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung aktiv und hat viel Auslandserfahrung (USA, England und Asien). Ihr
gehe es in ihrer Abgeordnetentätigkeit vor allem um Effektivität und Effizienz, beschrieb sie ihr politisches Credo. Sie
forderte im Verlauf der Diskussion mehrmals ein Einwanderungsgesetz und ein tragfähiges politisches
Frühwarnsystem, um auch international am Puls der Zeit zu sein. Außerdem kämpfe sie als frauenpolitische
Sprecherin um ein modernes Frauenbild.

Der Meinungsaustausch auf dem Podium förderte viel Anekdotisches, Anschauliches und Erbauliches über
weltwirtschaftliche und migrationspolitische Zusammenhänge zu Tage, aber auch unangenehm Bedrohliches
insbesondere aus dem Nahen und Fernen Osten. Auch das Publikum griff munter in die offen und recht emotional
geführte Diskussion ein.
In der Fazit-Runde stellte Günther Karl fest, dass er auf keinen Fall selbst in die Politik gehen wolle, forderte aber die
Parteien auf, sich qualifiziertes Personal aus der Wirtschaft zu holen, das dann natürlich auch gewählt werden muss.
Sein Fonds stünde dafür bereit, wirtschaftliche Nachteile auszugleichen. Nicole Bauer fand diese Idee grundsätzlich
gut. Es müsse jedoch das demokratische Procedere gewahrt bleiben.

Albert Duin plädierte dafür, Leute zu motivieren, mitzumachen im politischen Geschehen. Er selbst wolle als
Unternehmer und Landtagskandidat in der Politik mitwirken.
An der Veranstaltung nahmen auch Gäste aus anderen Parteien teil, darunter Yvonne Pletl (CSU) und Grünen-Stadtrat
Christian Heilmann, SPD-Kreisrat Ewald Straßer und der interkulturelle Netzwerker Cem Yasinoglu (Freie Wähler).
Der nächste „Talk im Schloss“ des Liberalen Kreises findet im September kurz vor der Landtagswahl statt.

(Quelle: PNP, 21.07.2018)