Sprachen über die Probleme der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer beim Landshuter Netzwerk (von links): Jürgen Handschuch, Elena Moch, Nicole Bauer und Florian Oßner.
Vor kurzem haben die Bundestagsabgeordneten Florian Oßner (CSU) und Nicole Bauer (FDP) das Landshuter Netzwerk besucht und sich dort in der Praxis über die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) informiert. Das Landshuter Netzwerk nutzte die Gelegenheit, um seine Wünsche zu äußern. Es hat einen hohen Beratungsbedarf auch bei zugewanderten EU-Bürgern, Spätaussiedlern und ausländischen Studenten. Die Zahl der zu beratenen Personen hat sich seit 2015 fast verdoppelt – auf rund 850 Klienten im Jahr.
Nur rund ein Drittel davon sind Flüchtlinge. Diese müssen für eine Beratung ein Bleiberecht haben. Jürgen Handschuch, Netzwerk-Geschäftsführer, sprach von „strukturellen Engpässen, unzureichender Ausstattungsmöglichkeit“ und von „für manche Träger unverkraftbaren“ Steigerungen des Eigenanteiles bei der Finanzierung. „Einige geben die Arbeit auf“, sagte Handschuch. Man benötige mehr Geld vom Bund.Das Landshuter Netzwerk, sagte er, sehe jetzt, nachdem die Zuwendungen des Bundes jahrelang gleich hoch – nämlich bei 125 270 Euro – geblieben und die Kosten immer weiter gestiegen seien, einen dringenden Aufstockungsbedarf. Zusätzlich werde eine Verwaltungskraft benötigt, denn eine Sozialpädagogin müsse mit einem Schlüssel von 1: 308 jetzt bereits fast die doppelte Anzahl an Menschen beraten als im fachlichen Standard vorgesehen. Dieser liege bei 150 Klienten pro Beraterin im Jahr. E
lena Moch, Abteilungsleiterin und Sozialpädagogin beim Landshuter Netzwerk stellte fest: „Für einige Berater ist dies nicht zu bewältigen.“ Zudem ließen sich viele Probleme mit Kurzberatungen nicht lösen. „Viele Klienten müssen wiederkommen und es wird ein Förderplan erstellt, um zu klären, wie es weitergeht. Bei einem Besuch bleibt es da nicht“, sagte Moch.
Florian Oßner und Nicole Bauer überzeugten sich vor Ort von der Problematik. In der Beratung erlebten sie eine russischstämmige Frau, die aufgrund von Insolvenz ihres Arbeitgebers um ausstehende Lohnforderungen kämpft. Bundestagsabgeordneter Oßner, der sich bereits in den vergangenen Jahren für eine Stellenaufstockung der MBE stark machte, zollte dem Beraterteam großen Respekt für die anspruchsvolle Arbeit: „Mit der Hilfe zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, bei Bewerbungen und Unterstützung beim Weg aus der Arbeitslosigkeit leistet die MBE gerade auf dem wichtigen Feld des Arbeitsmarkts einen unschätzbaren Dienst für unsere Gesellschaft. Damit können Zuwanderer möglichst schnell auf eigenen Beinen stehen und nur so kann Integration am Ende auch gelingen.“ Nicole Bauer konnte sich gut in die Frau hineinversetzen und sagte, dass sie sich bei Auslandsaufenthalten manchmal ähnlich gefühlt hat.
Das Landshuter Netzwerk hofft jetzt, vor den anstehenden Haushaltsberatungen auf Bundesebene, dass die Abgeordneten sich für eine Aufstockung der finanziellen Förderung im Haushalt für 2019 einsetzen
(Quelle: Landshuter Zeitung, 08.10.2018)