Im Bild von links Siegfried Seidl, Rechtsanwalt im FDP-Kreisverband Rottal-Inn, FDP-Listenkandidat Michael Deller (25, Marktrat in Ergolding), FDP-Kandidatin Nicole Bauer (30, FDP-Kreisvorsitzende aus Velden), Referent Alexander Graf Lamdsdorf, Landshuter Vize-Kreisvorsitzender Jürgen Wachter und Bernd Einmeier. Unternehmer und Vorsitzender des Liberalen Mitelstands Niederbayern.

Landshut (06.08.2017) Die junge Bundestagskandidatin der FDP. Nicole Bauer, hatte schon zu ihrem Wahlkampfauftakt über 65 Besucher im „Landshuter Hof“. Wenige Tage später kamen erneut über 40 Besucher aus Stadt und Landkreis, darunter ca. 15 junge Leute, zum politischen Nachmittag mit dem Vizepräsidenten des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff, in das Restaurant Berlochner.

Der Referent verspätete sich zwar um eine halbe Stunde, aber er bot in überzeugender Manier Europa- und Weltpolitik aus erster Hand. Und er lobte die kouragierte Art und Weise, wie die junge FDP-Bundestagskandidatin ihre europapolitischen Wünsche un Anregungen formulierte: z.B. mehr Transparenz und Zusammenhalt und deutlich weniger Bürokratie.

„Wir haben Grund zur Freude und zum Optimismus“, so Alexander Graf Lamdsdorf, Jahrgang 1966, geboren in Köln, Sohn des Botschafters Hagen Graf Lamdsdorff und Neffe des früheren Bundeswirtschaftsministers Ottto Graf Lamdsdorff. Seit fünf Jahren ist er, selbst ausgebildeter Diplomat,  Vorsitzender der „Allianz Liberale für Europa“. Die diversen Baustellen in Europa – Polen, Ungarn, Griechenland, Ukraine, Rußland – velangten nach „ruhigen Analysen“. Deutschland allein sei „nicht in der Lage, alles ringsum zu bewältigen“. Die FDP habe sich etwa in Konkurenz zur AfD nicht zur Anti-Europapartei entwickelt, sondern sei die Europapartei schlechthin geblieben. Freilich sei heute eher der neue US-Präsident D. Trump ein „Risikofaktor“. Doch Deutschland würde sich in der Ersatz-Rolle von Amerika „total überheben“. Lamdsdorff warnte dennoch vor einem „totalen Anti-Amerikanismus“.

alex nicole drei

Auch Graf Lamdsdorff hat die FDP-Veranstaltung mit Bundestagskandidatin Nicole Bauer und dem FDP-Vize-Chef Landshut, Jürgen Wachter (re.) , sichtlich gut gefallen.

Ein dickes Lob zollte der überzeugte Europapolitiker dem neuen Frnzösischen Staatspräsidentem Emanuel Macron (39). Er könne insbesondere für die europäischen Südstaaten zum Hoffnungsträger werden. Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagwahl versprach Lamdsdorff, der völlig frei sprach, für seine Partei „Sicherheit und Wohlstand“. Es gelte, den Euro zu stabilisieren und die Märkte offen zu halten. Europa müsse ein Kontinent der Freiheit bleiben. Dafür sei ein eigener Europäischer Schutz an den Außengrenzen erforderlich. Doch vom Vorschlag des österreichischen Außenministers und Kanzlerkandidaten Kurz hält der FDP-Politiker nichts. Kurz wolle einfach für die Flüchtlinge die Mittelmeerroute schießen. Das wolle der junge Kurz (31) wohl mit der österreichischen Marine gewährleisten, höhnte Lambsdorff und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.

Eine lebhafte Diskussion schloss sich an, Fragen wurden vor allem zur Flüchtlingspolitik („Obergrenze“), zum drohenden Fachkräftemangel in Deutschland und zu den angekündigten Reformen des Französichen Präsidenten gestellt. Die Alternative sei in Frankreich ja Marie Le Penn gewesen. Ihr Wahlsieg, so Lambsdorfff, „hätte das Ende von Europa bedeutet“. Aufgrund der immer noch vorherrschenden Korruption sieht der FDP-Politiker für die nächste Zeit in der Ukraine, „ein ungemein fruchtbares Land“, noch keine guten Entwicklungschancen. Und Rußlland sei heute leider nicht mehr das Land wie in der Regierungszeit von Kohl und Genscher.

Die Beseitigung der großen wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede in der Europäischen Union sei nicht durch einen rigorosen Länderfinanzausgleich – etwa nach dem Muster der Bundesrepublik – zu erreichen. Doch die Möglichkeiten einer besseren Kooperation seien noch längst nicht voll ausgeschöpft.

Am Ende stellte Jürgen Wachter als stellvertretender Vorsitzender der Landshuter FDP fest, dass wohl niemand sein Kommen bereut habe. FDP-OB Alexander Putz und FDP-Stadtrat Norbert Hoffmann konnten nicht teilnehmen, weil geichzeitig im Rathaus eine dreistündige Plenarsitzung  stattfand. /hs – Fotos Hermann Schnall